27.09.2022
Die letzte Zuflucht – Kirchenasyl als Menschenrechtsschutz

Wir weisen auf folgende Veranstaltung der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen hin, die am Dienstag, den 27. September von 18:00-21:00 in Aachen stattfindet:

Der Schutz von Geflüchteten ist schon lange ein zentraler Streitpunkt in der EU. Einig sind sich die EU-Staaten vor allem, wenn es darum geht, die europäischen Grenzen zu schützen und Europa vor Einwanderung aus anderen Ländern abzuschotten. Doch seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist plötzlich alles anders. Am 3. März 2022 einigten sich die EU-Innenminister darauf, Geflüchtete aus der Ukraine schnell und unbürokratisch aufzunehmen. Die Menschen bekommen ein Aufenthaltsrecht für ein Jahr, ein Anrecht auf Sozialleistungen und eine Arbeitserlaubnis. Das alles ohne lange Asylverfahren und Unsicherheiten.

Was Europa den Geflüchteten aus der Ukraine bietet, löst vieles ein, wofür die Kirchen und zivilgesellschaftliche Akteure lange gekämpft haben. Aber was ist mit den Menschen aus anderen Herkunftsländern, die genau das Gleiche suchen: Schutz vor Krieg und Elend? Europa läuft Gefahr, zwei Klassen von Geflüchteten zu schaffen, wenn Frauen und Kinder aus der Ukraine anders behandelt werden, als Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Somalia oder Eritrea. Universelle Menschenrechte können nur verteidigt werden, wenn alle Bedrohten Schutz bekommen können.

Die Zahl der Abschiebungen von schutzsuchenden Menschen aus NRW ist bundesweit am höchsten und die rechtlichen Spielräume, um inhumane Härten durch Abschiebungen für die Betroffenen zu verhindern, sind aufgrund der Asylrechtsverschärfungen in den letzten Jahren immer stärker eingeschränkt worden. Oftmals ist dann das Kirchenasyl die letzte Zufluchtsmöglichkeit, um Menschen eine Perspektive zu ermöglichen und inhumane und
erniedrigende Situationen abzuwenden. Die Praxis des Kirchenasyls ist vielerorts bereits verbreitet, zugleich gibt es oft auch nur wenig Kenntnis über das Kirchenasyl in Flüchtlingsinitiativen, bei engagierten Ehrenamtlichen und in Kirchengemeinden.

Im Rahmen der Abendveranstaltung soll das Kirchenasyl als Praxis des Menschenrechtsschutzes vorgestellt, seine politisch-theologische Begründung diskutiert und über die praktische Umsetzung informiert werden.

 
Referent*innen:
Benedikt Kern (Institut für Theologie und Politik / Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW)
Andreas Funke (Flüchtlingsseelsorger, Referent für Seelsorge mit Geflüchteten im Bistum Aachen)
 
Weitere Informationen zu Ort und Anmeldung finden Sie hier
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