17.12.2013
Dublin II – die europäische Asylsackgasse. Kirchenasyl – ein symbolischer Einspruch?

Fachtagung der BAG Asyl in der Kirche e.V. vom 26.-28. Oktober 2012 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin- Kreuzberg.

Berlin, den 25. Oktober 2012.

Die Familie kam aus Syrien, sie floh vor dem Krieg im Land. Sie haben Familienangehörige in Deutschland, die sie unterstützen wollen und ihnen auch Einladungen aussprachen. Doch Visa erhalten sie nicht und so stranden sie nach einer gefährlichen Bootsreise in Italien. Sie wandern weiter nach Deutschland, wollen zu ihren Verwandten, aber sollen nach Italien zurückgeschoben werden – ins Nichts, denn dort lebten sie auf der Straße. Der Vater ist schwer krank, die Kinder von der Flucht traumatisiert. Eine Kirchengemeinde erbarmt sich und nimmt sie auf. Sie warten gemeinsam, dass die Bundesrepublik Deutschland einlenkt und das Asylverfahren übernimmt. Deutschlandweit wissen wir aktuell von 25 Kirchenasylen mit mindestens 64 Personen, davon etwa 28 Kinder. 10 der Kirchenasyle sind – wie der hier beschriebene – sogenannte Dublin II-Fälle.

Dank der Dublin II-Regelung sind die Zahlen der Asylsuchenden in Deutschland auf einem niedrigen Stand. Diese Regelung besagt, dass man nur in dem europäischen Land Asyl beantragen kann, in dem man die EU erstmals betritt. So sind die europäischen Grenzstaaten mehr belastet und die Länder der Mitte verweigern die Solidarität mit ihnen. In Zeiten der Krise wird dann den Ärmsten der Armen, den Flüchtlingen und Migranten, keine Hilfe mehr zuteil. Oder ihnen droht Haft.
Haft für Flüchtlinge, ein Asylsystem, das nicht funktioniert, kaum Hilfe. „Ihr spielt mit uns Fußball und kickt uns durch halb Europa, ohne dass wir irgendwo ankommen können – warum?“, so die Frage eines Somali in der Abschiebehaft in Deutschland. Betroffene, die immer wieder in Länder wie Malta, Ungarn oder Italien zurückgeschoben werden, sehen sich um ihre Hoffnungen und Träume auf ein Europa der Freiheit und der Menschenrechte betrogen. Eine Politik, die immer perfekteren technischen Überwachungssystemen und Kontrollen den Vorzug vor Flüchtlingsschutz gibt, gefährdet die Rechte aller – auch die der EuropäerInnen. Denn wer Grundrechte bei Schutzbedürftigen preisgibt, wird auch sonst Rechte nicht ernst nehmen. So mahnen nicht nur Kirchen und NGOs, den Flüchtlingsschutz als Menschenrechtsschutz aufrechtzuerhalten.
Dublin II – eine europäische Sackgasse – Kirchenasyl – ein symbolischer Einspruch!

Unter diesem Titel veranstaltet die BAG Asyl in der Kirche e.V., in Kooperation mit der Evangelischen Kir-chengemeinde Heilig Kreuz-Passion eine Fachtagung. Im Rahmen der Tagung findet am Freitag, den 26. Oktober in der Nostritzstrasse 6-7 eine offene Mitglieder- und Interessiertenversammlung statt, mit Berichten aus der Praxis und Austausch. Samstag, der 27. Oktober, ist der Frage gewidmet, wie es aktuell um den Flüchtlingsschutz in Deutschland und Europa bestellt ist, mit Diskussionen und Länderberichten. Die Tagung schließt am Sonntag, dem 28. Oktober, mit einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst. Weitere Infor-mationen finden sie auf www.kirchenasyl.de unter Aktuelles.

Wir fordern – ein solidarischeres Europa

  • Einhaltung der menschenrechtlichen Verpflichtungen
  • Überdenken der Dublin II-Regelung und bis dahin ein Moratorium
  • Großzügige Relocation-Aufnahme statt kleinkarierte Abschiebepolitik
  • Freizügigkeit innerhalb Europas auch für Flüchtlinge
  • Für den Vorstand der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche e.V. Fanny Dethloff

Kontakt: dethloff.nka@nordelbien.de // +49-1511-411 87 15 // www.kirchenasyl.de

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