28.04.2017
PM „Kirchenasyl bleibt eine wichtige Tradition zum Schutz von Menschenrechten.“

Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Asyl in der Kirche e.V. veröffentlicht Jahresstatistik 2016

Die Ökumenische BAG Asyl in der Kirche hat ihre Kirchenasylstatistik für das Jahr 2016 veröffentlicht. Im Jahr 2016 erhielt sie Informationen über 692 Fälle von Kirchenasyl. „Die Zahl der Kirchenasyle ist gering, gemessen an den vielen Anfragen, die an Kirchengemeinden herangetragen werden, und an der großen Not, die darin deutlich wird“, sagt Dietlind Jochims, Vorsitzende der BAG.

Die Gesamtzahl der Kirchenasyle ist zwar im Vergleich zum Vorjahr 2015 leicht gestiegen, sie ist jedoch im Zusammenhang mit dem steigenden Abschiebungsdruck der Bundesregierung zu sehen: Fast 25.000 Menschen wurden im Jahr 2016 abgeschoben; hinzu kommen etwa 52.000 Menschen, die zur sogenannten freiwilligen Ausreise bewegt wurden. „Deutschland wandelt sich von einem Aufnahmeland zu einem Abschiebeland“, charakterisiert Dietlind Jochims die aktuelle Entwicklung und führt aus: „Kirchenasyl ist vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Abschottung und Ausgrenzung eine wichtige Tradition zur Wahrung von Menschenrechten.“

414 Kirchenasyle wurden im vergangenen Jahr neu begonnen. Insgesamt 1.139 Menschen, darunter 277 Kinder und Jugendliche, fanden im Jahr 2016 Schutz in evangelischen, katholischen und freikirchlichen Gemeinden, Kirchenkreisen, Klöstern und Studierendengemeinden. Außerdem gab es drei ökumenische Kirchenasyle. Von 417 beendeten Kirchenasylen endeten 95% positiv, d.h. sie führten mindestens zu einer Duldung.

632 der 692 dokumentierten Kirchenasyle waren so genannte Dublin-Fälle, bei denen eine Abschiebung innerhalb Europas drohte. 959 Personen, davon 191 Kinder und Jugendliche, waren hiervon betroffen. Die meisten von ihnen sollten nach Italien, Ungarn oder Bulgarien abgeschoben werden. Hauptherkunftsländer der Menschen im Kirchenasyl waren Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea.

„Die differenzierte Analyse der Kirchenasyle macht zum wiederholten Mal auf das Scheitern des Dublin-Systems aufmerksam. Europa ist zum Verschiebebahnhof für Asylsuchende geworden. Es gibt keine gemeinsamen Asylstandards“, erklärt Dietlind Jochims den hohen Anteil der Dublin-Fälle.

„Doch bei jedem Kirchenasyl stehen einzelne Menschen und ihre persönlichen Geschichten im Mittelpunkt und nicht die statistischen Zahlen, über die öffentlich gestritten wird. Wir danken allen Menschen, die für die Rechte von Geflüchteten einstehen und sich für gerechte Asylverfahren einsetzen in der Hoffnung, dass Kirchenasyl eines Tages nicht mehr nötig sein wird.“

Die Übersicht der Kirchenasyle für das Jahr 2016 finden Sie unter www.kirchenasyl.de.

Dietlind Jochims
Vorsitzende der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche e.V.

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