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Jetzt erst recht...! Über die Gegenkonferenz von Jugendliche ohne Grenzen (J.O.G.) vom 15.-18.11.06 zur Innenministerkonferenz in Nürnberg Eigentlich habe ich keine Idee, wie dieser Text aussehen soll. Eine Menge gibt es schon, über das Hin und Her vor und nach der Konferenz, über die neue Bleiberechtsregelung, ihre Tücken und Lücken etc. Das ist toll, ja! Aber noch so einer? Nein, eigentlich sollte ich einen ganz anderen Text schreiben. Über das, das nirgendwo steht, weil es niemand lesen will? Ich hoffe nicht. Also schreibe ich über den letzten Abend... an dem wir alle, 100 Jugendliche aus allen Ländern der Welt, zusammen zu Justin Timberlake und Bollywood Songs tanzten. Darüber, wie viele Anläufe ich gebraucht habe, um deutlich zu machen: ich gehöre dazu, ich kämpfe für das selbe wie ihr - auch wenn ich eine deutsche Staatsbürgschaft habe. Über die kurzen Gespräche bei der Essensausgabe, die den ganzen Tag bewegten. Über ein Mädchen, das von ihrem Stipendium und einem Laptop im Wert von 1700 € erzählt, als sei es ähnlich aufregend wie Zähne putzen, weil sie es einfach noch nicht fassen kann. Darüber, wie gut es tut, sich als Deutsche fremd zu fühlen. Über einen Moment voller Tränen und Gänsehaut. Über einen Jungen, der die ganze Welt zum Strahlen bringt und einfach nicht aufhören will zu kämpfen. Nicht bloß über Einzelschicksale, die fürs Herz geschrieben sind. Sondern über alle! Über alle die da waren! Über alle die weiter machen. Einen Text über uns. Jugendliche ohne Grenzen. Ganz besonders das UNS geht so nah! Die Identifikation mit einer Initiative, die einmalig ist. Die so ungeheuer viel bewegt, Politiker in die Enge treiben kann und sich nahezu allein organisiert. Mitglied bei J.O.G. sein heißt aktiv, laut und nicht auf den Mund gefallen sein. Hier erheben Menschen die Stimme, die wissen, wovon sie sprechen. Jugendliche, die nicht nur deshalb nicht wegsehen, weil sie selbst betroffen sind, sondern auch, weil sie grenzenlos sind. Es gibt keine Utopien oder Zukunftsvisionen, idealisierte Vorstellungen von einer fernen Zukunft. Es gibt »lediglich« Ziele! Ziele an denen festgehalten wird. Ein Ziel, für das alle kämpfen. Ganz gleich ob die neue Regelung ein Schritt in die richtige Richtung ist, oder nicht. Egal wie viele Familien nun einen gesicherten Aufenthaltsstatus erhalten werden. J.O.G. wird nicht still stehen, bis ein Bleiberecht für alle erreicht ist! Dass unsere Gegenkonferenz ein voller Erfolg war, muss hier nicht noch einmal erwähnt werden. Dass die Presse und die Öffentlichkeit auf uns gerichtet war, ist sicher jedem aufgefallen. Und wir? Was haben die Tage in Nürnberg mit uns gemacht? Sie haben Schwung gegeben! Alle haben einmal tief Luft geholt nach der Bekanntgabe des neuen Beschlusses. Angefangen haben wir mit Angriffslust, Kampfgeist, Mut und dem Willen, etwas zu bewegen. Nun ist das lauteste Gefühl: Jetzt erst recht! Dem Schicksal trotzen, sich gegen den Wind stellen, sich an die Hand nehmen und zusammen schreien, ohne dass jemandem die Stimme wegbleibt... das waren wir! Das macht J.O.G.! Das ist jugendlich widerständig! Nina Schmidt |