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W | XYZ Kirchenasyl von A-Z Ein Glossar mit hilfreichen Verweisen, Links, Buchtipps und vielem mehr. Dieser Teil ist ein Baustein, der weiter wachsen wird.
A
Abschiebung, Abschiebungshaft
Jedes
Bundesland hat unterschiedliche gesetzliche Grundlagen und
unterschiedliche Ausgestaltungen für die Abschiebungshaft. Es gibt
eine Vernetzung der kirchlichen Abschiebungshaftseelsorger (siehe auch
unter unserem Stichwort: Tagungsdokumentationen). Studie: „Quälendes Warten –Wie Abschiebungshaft krank macht“ www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de, www.jrs.net, www.asyl.net, www.abschiebungshaft.de
Andacht Es
ist gut, Andachten und Gebet in Zeiten der Anspannung und Not, aber
auch als Dank und vor Informationsveranstaltungen gemeinsam und offen
zu gestalten. Materialien dafür finden sich z.B. thematisch bei -
Fanny Dethloff/Verena Mittermaier (Hg), „Zähle die Tage
meiner Flucht…“ Gottesdienstmaterialien zum Thema Flucht
und Asyl, Karlsruhe 2008. - www.interkulturellewoche.de
Anhörung (Erstanhörung) Einem
Asylantrag oder Asylfolgeantrag sollte auf jeden Fall eine gute
rechtliche Beratung vorgeschaltet sein. Solch unabhängige
Verfahrensberatung vor dem Asylantrag gibt es leider nur an wenigen
Stellen bundesweit. Fragen der Sprache, des Dolmetschens, dass die
Menschen wirklich verstehen, worum es geht und wie eine
Asylanhörung abläuft, dass sie Menschen ihres Vertrauens als
Begleitung mitnehmen können, sollten beachtet werden. www.bamf.de / www.proasyl.de
Ankündigung des Kirchenasyls Wenn
eine Gemeinde den Entschluss gefasst hat, Kirchenasyl zu gewähren,
wird dies der Ausländerbehörde bzw. den zuständigen
Behörden mitgeteilt. Die Postanschrift der Gemeinde wird als
ladungsfähige Adresse der geschützten Person/en angegeben.
Zugleich sollte der Beginn des Kirchenasyls den Ansprechpersonen in der
Kirchenleitung (regionale oder landeskirchliche Ebene) bekannt gegeben
werden, sofern diese nicht ohnehin in die Entscheidungsfindung
einbezogen wurden. Informationen zur Ankündigung des Kirchenasyls
finden Sie auch in der Erstinformation Kirchenasyl und bei den
Ländernetzwerken.
Arbeit Kirchenasyl
ist Arbeit und muss in die alltägliche Arbeit zusätzlich
eingepasst werden. Darum ist eine gute Planung des Arbeitsaufwandes,
aber auch Zeit für Unvorhergesehenes nötig. Zudem sind die
Vernetzung mit Initiativen vor Ort und die Gespräche mit
Anwältinnen und Behördenvertretern Arbeit. Auch die
Koordinationsfragen und Koordinierungsaufgaben sind Arbeit. Und nicht
zuletzt die Dokumentation und die Evaluation. Desto mehr Menschen man
ermutigt, diese Arbeit mit zu machen, desto mehr Schultern diese
Aufgabe findet, desto leichter lässt sich diese Arbeit tragen. Arbeit ist auch wichtig als Beschäftigung für die Schutzsuchenden - sie darf niemals bezahlte Arbeit sein!
Asylbewerberleistungsgesetz s. Berliner Flüchtlingsrat (www.fluechtlingsrat-berlin.de) Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz liegen etwa ein Drittel unter Hartz IV.
Asylrecht Informationen und aktuelle Entwicklungen zum Asylrecht sind zu finden unter www.asyl.net www.proasyl.de
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B
Bedürfnisse (=> Respekt, => Interkulturalität) Auf engem Raum kommen unterschiedliche Bedürfnisse zu Tage. Diese zu benennen und auszudiskutieren, ist enorm wichtig.
Behörden/ Bürokratie und Kirchenasyl Zu
Beginn eines Kirchenasyls, eventuell auch schon im Vorfeld, wird die
Ausländerbehörde von der Gemeinde über die
Gewährung von Kirchenasyl informiert. Es ist wichtig, in allen
Phasen des Kirchenasyls das Gespräch mit den zuständigen
Behörden zu suchen und möglichst gemeinsam nach einer
zufrieden stellenden Lösung zu suchen. Komplikationen können
z.B. dadurch vermieden werden, dass bereits zu Anfang die Bitte an die
Behörde herangetragen wird, die im Kirchenasyl geschützten
Personen nicht zur Fahndung auszuschreiben, sondern die angegebene
ladungsfähige Anschrift der Kirchengemeinde als offizielle
Meldeadresse zu akzeptieren. Dass die Kommunikation zwischen
Behördenmitarbeitern und Flüchtlingen gelingt, ist nicht
selbstverständlich. Hier kann es hilfreich sein, auf
interkulturelle Gesprächsformen hinzuweisen und andere
Sprachebenen mit im Blick zu haben. Voraussetzung ist allemal, für
adäquate Sprachmittlung zu sorgen. Wichtig kann insbesondere
das Mitgehen zu Gerichtsverhandlungen sein: Begleiten, berichten und
Öffentlichkeit herstellen. Eine vorherige Abstimmung mit den
Rechtsanwältinnen und -anwälten macht Sinn, ebenso ist es
wichtig, vorher die Zusicherung einzuholen, dass keine Verhaftung
droht.
Beratung Beratung
zur Vorbereitung und Durchführung eines Kirchenasyls oder
allgemein für die Unterstützung von Flüchtlingen in
Gemeinden bekommen Sie - über die Geschäftsstelle der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche - beim Kirchenasyl-Ländernetzwerk Ihrer Region (Kontaktdaten unter Adressen/Ländernetzwerke)
Beten (=>Symbole, => Andacht) Psalmen
und andere alte und neue Gebete können in der existentiellen
Notlage eines Kirchenasyls ungeahnte Bedeutung bekommen. Wenn die
Polizei vor der Kirchentür steht, ist keine Zeit, eine Andacht zu
konzipieren – hier werden Worte als hilfreich und ermutigend
erfahren, die unsere Glaubensmütter und -väter an uns weiter
gegeben haben. Wenn für die Flüchtlinge im Kirchenasyl ein
anderer religiöser Hintergrund bedeutsam ist, können auch
Menschen unterschiedlicher Religionen in ihrem jeweiligen Gebet
Verbundenheit erfahren.
Beweise Alle
einzureichenden Beweise im Asylverfahren müssen gut begründet
sein und sind der Wahrheit verpflichtet. Ergeben sich
Widersprüche, so sind diese ausführlich darzustellen, ggf.
aufzulösen und zu erklären. Eine Geschichte (auch als
Unterstützer/innengruppe) angemessen beurteilen zu können,
beinhaltet, dass man sich auf die bisherigen Aussagen und Verfahren
einlassen muss. Am besten ist es, eine/n engagierte/n Anwalt/
Anwältin hinzuzuziehen. Gesundheitliche Problematiken sind gut
darzulegen und mit Attesten zu untermauern. Traumatisierungen sollten
von unabhängigen Fachleuten dokumentiert werden. Länderinformationen:
Informationen zur Verfolgung im Herkunftsland oder zur Behandlung von
gesundheitlichen Problemen finden sich in den Berichten des
Auswärtigen Amts. Das Bundesamt für Flüchtlinge und
Migration unterhält z.T. eigene Vertrauensleute, die entsprechende
Recherchen vornehmen. Die Frage der Behandelbarkeit z.B. bei
Krankheiten ist aber oftmals eine andere als die Frage der
Zugänglichkeit zu dieser Behandlung oder zur Finanzierbarkeit von
bestimmten Behandlungen. Je konkreter die Fragen sind, desto eher
erhält man eine Einschätzung, die der Wahrheit nahe kommt. Informationen hierzu finden sich unter: www.asyl.net www.hrw.org www.amnesty.de www.proasyl.de
Bibel Von
der Vertreibung aus dem Paradies, über die migrantischen
Geschichten der Erzväter, die Flucht Moses nach Midian oder die
Befreiung der Israeliten, die Vertreibung aus Jerusalem und die
babylonische Gefangenschaft, die Lieder der Psalmen, die Geschichten,
Gleichnisse oder Briefe aus dem Neuen Testament: die Bibel erzählt
die Geschichten von Flucht und Vertreibung. Es lohnt es sich, eine
Konkordanz oder die hierzu zahlreich vorhandenen Materialien zu
benutzen und mit den Bibeltexten zu arbeiten.
Biografie Biografische
Ansätze sollten ernst genommen werden und ausprobiert werden. In
Form von Biografiewerkstätten oder Frauencafes, Männerrunden,
gestalteten Nachmittagen oder Abenden zu bestimmten Themen
(Alter/Kinder/Frau sein/ Religionen) sind die biografischen
Ansätze zu würdigen. Je mehr wir voneinander wissen und
erfahren, desto eher machen wir uns gemeinsam auf den Weg des Friedens.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) In
jedem Bundesland gibt es Außenstellen, die die Asylanträge
entgegennehmen und die prüfen, ob Deutschland für das
Asylverfahren überhaupt zuständig ist. Der Aufbau der
Behörde und die Abläufe des Verfahrens finden sich auf der
Internetseite des Bundesamtes. Dennoch bleibt es wichtig, der
Antragstellung eine professionelle unabhängige Verfahrensberatung
vorzuschalten (Anwälte/Migrationsdienste etc). www.bamf.de
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C
Charta oecumenica Ökumenische Grundlagenerklärung von 2001. www.cec-kek.org/Deutsch/ChartafinG.htm
Charta von Groningen Die
Charta von Groningen entstand 1987 bei einem europäischen Treffen
kirchlicher Engagierter in der Flüchtlingsarbeit. Sie benennt die
Verantwortung der Kirchen für den Schutz von Flüchtlingen,
formuliert eine Selbstverpflichtung, gefährdete Flüchtlinge
aufzunehmen, und bekräftigt die Solidarität der Aktiven
untereinander. Sie lautet:
„Die Charta von Groningen 1.
Die Lage der Flüchtlinge und der Asylsuchenden in Europa ist
alarmierend. Die europäischen Regierungen neigen allgemein dazu,
ihre Grenzen zu schließen und den Zustrom einer wachsenden Anzahl
von Flüchtlingen und Asylsuchenden zu stoppen. Es werden auf
nationaler und regionaler Ebene legislative und bürokratische
Maßnahmen aller Art ergriffen. Zunehmend wird der
Flüchtlingsbegriff und die Genfer Konvention über
Flüchtlinge von 1951 und 1967 restriktiv ausgelegt. Als
örtliche Kirchen, Pfarrgemeinden, Gemeinschaften und Basisgruppen
fühlen wir uns in unserer Verantwortung als Christen zum Handeln
aufgerufen. Flüchtlinge und Asylsuchende führen uns vor
Augen, wieviel Gewalt und Unrecht auf der Welt herrschen. Die Belastung
und die Erschwernisse, die sich aus der Gewährung des Schutzes
für Flüchtlinge ergeben, zu scheuen, heißt, diese
Gewalt und dieses Unrecht als ein Problem aller Menschen zu ignorieren.
Unser Glaube, daß Gott die Einheit der Menschheit will,
läßt uns diese Weigerung von uns weisen und die Partei der
Flüchtlinge und Asylsuchenden ergreifen.
2. Parteinahme
bedeutet für uns in erster Linie, daß wir uns bei der
Zusammenarbeit auf örtlicher Ebene nach besten Kräften
anstrengen wollen, um Flüchtlinge und Asylsuchende aufzunehmen.
Doch zusätzlich bedeutet es, daß wir den Druck auf unsere
Regierung dahingehend verstärken müssen, daß sie in
ihrer Asylpolitik nicht nur vom nationalen und europäischen
Interesse ausgehen dürfen, sondern vielmehr eine
großzügige Auslegung der internationalen Abkommen über
Flüchtlinge und Menschenrechte gewährleisten müssen. Wir
verpflichten uns, unsere Länder aufzufordern, sich an der
weltweiten Lastenverteilung so zu beteiligen, wie es Europas Stellung
in der Welt und in der Geschichte und die aus dieser Stellung
resultierende Verantwortung gebieten.
3. Wenn wir mit guten
Gründen annehmen können, daß ein Flüchtling oder
Asylsuchender, dem die Ausweisung droht, keine wirklich menschliche
Behandlung erfährt oder Beschlüsse gefaßt werden, die
die Qualität seines weiteren Lebens ernsthaft beeinträchtigen
können, dann verpflichten wir uns, ihn aufzunehmen und zu
schützen, bis eine für alle Teile annehmbare Lösung
gefunden ist. Wir würden dabei eine offene Auseinandersetzung mit
unseren Regierungen oder unmittelbare Solidaritäts- und
Protestaktionen nicht scheuen, wenn es die Situation unserer Meinung
nach erfordert.
4. Wir werden auch weiterhin örtliche,
nationale und internationale Gremien und Kirchenverbände an ihre
Verantwortung in Bezug auf Angelegenheiten und Probleme der
Flüchtlinge und Asylsuchenden erinnern und werden diese Gremien
und Verbände dazu drängen, ihrer Verantwortung mit eigenen
Mitteln und Möglichkeiten gerecht zu werden.
5. Da wir uns
selbst als Partner in einem Bund lokaler Kirchen und Basisgruppen
betrachten, die die Partei der Flüchtlinge und Asylsuchenden
ergreifen, versprechen wir einander Unterstützung und
Solidarität und bemühen uns darum, andersgläubige
Gemeinden und Sonstige zu Partnern in diesem Bund zu machen.“
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D
Demonstration Eine
Demonstration ist ein demokratisches Mittel, um auf Missstände
hinzuweisen. Es kann während eines Kirchenasyls eine Form sein,
auf die Notlage von Menschen hinzuweisen und ein Einlenken von
Behörden zu fordern. Viele Erfahrungen haben aber gezeigt, dass
dies nicht zwangsläufig erfolgreich für den Verlauf eines
Kirchenasyls sein muss. Manchmal führt eine Demonstration auch zum
gegenteiligen Effekt und verhindert die erforderliche
Gesprächsbereitschaft. Anmeldung einer Demonstration bei der örtlichen Polizei: Eine Demonstration muss angemeldet werden und bewilligt werden. Ankündigung von Gottesdiensten und Prozessionen bei der örtlichen Polizei (Route
absprechen, Verhalten absprechen): Anders als eine Demonstration, die
bewilligt werden muss, wird eine Prozession, eine gottesdienstliche
Handlung auf der Straße oder auf einem Platz lediglich
angekündigt.
Denkschrift Grundlagentexte in Kirchen heißen Denkschriften. - Denkschriften und gemeinsame Worte der Kirchen: www.ekd.de, www.Missio.de, www.dbk.de Hervorzuheben sind auch die Erklärungen auf Europäischer Ebene: - Charta Oecumenica von 2001: www.cec_kek.org/Deutsch/ChartafinG/htm - Liebfrauen-Erklärung der Kirchen am Rhein zu den Herausforderung von Migration und Flucht: www.ekiba.de - Antirassismusprogramm des ÖRK von 1969: www.oikoumene.org
Dokumentation (=> Statistik/Studien) Auch
wenn im konkreten Vollzug vieles vordringlicher erscheinen mag als das
schriftliche Festhalten der Ereignisse, spielt die Dokumentation doch
eine wichtige Rolle in der Kirchenasylarbeit. In Zusammenarbeit mit
Rechtsanwalt/-anwältin und Beratungsstelle gilt es, den
Überblick über die rechtlichen Schritte zu behalten und den
Behörden oder anderen gegenüber jederzeit auskunftsfähig
zu sein. Nach Abschluss des Kirchenasyls helfen Erfahrungsberichte, das
Engagement der Beteiligten zu würdigen und andere zu
ähnlichem Handeln zu ermutigen. Es dient aber auch der
Öffentlichkeitsarbeit und der politischen Lobbyarbeit für die
Rechte der Flüchtlinge, wenn Einzelfälle sauber dokumentiert
sind. Bei erfolgter Abschiebung kann die exakt belegte kritische
Berichterstattung über den Fortgang des Falles dazu beitragen,
Unrecht in Folge von Abschiebung aufzudecken. Die Ökumenische BAG
Asyl in der Kirche dokumentiert in ihrer Geschäftsstelle laufend
alle Nachrichten über Kirchenasyl und wertet jährlich alle
bundesweiten Fälle statistisch aus. In bislang drei Studien (1996,
2001, 2008) wurden ausführliche Evaluationen über den Erfolg
und Misserfolg von Kirchenasyl anhand von Gemeindeumfragen
veröffentlicht (s. Publikationen/Unsere Materialien).
Dublin II- Rückschiebungen Da
kaum noch Flüchtlinge direkt nach Mittel- und Nordeuropa kommen
können, sondern vorher meistens durch ein anderes
europäisches Land reisen müssen, greift hier immer die so
genannte Dublin II-Verordnung. Sie sieht innerhalb Europas eine
Rückschiebung in den zuerst betretenen EU-Mitgliedsstaat vor, da
dieser für den Asylantrag zuständig ist. Doch Tschetschenen,
die es bis Deutschland geschafft haben und nicht nach Polen oder
Tschechien zurück wollen, Afghanen, die über Griechenland
kamen oder Somalis, die über Italien einreisten, haben manchmal
gute Gründe, hier bleiben zu wollen. Das können Verwandte
sein, eine bereits begonnene Therapie oder gute Kontakte. Es gibt die
Möglichkeit des so genannten Selbsteintrittsrecht Deutschlands,
was manchmal angewendet wird, wenn die Gründe beim BAMF
erfolgreich vorgebracht werden. Es gibt eine sechsmonatige Frist, die
auf bis zu achtzehn Monate verlängert werden kann, in der eine
Rückschiebung durchzuführen ist. In manchen Fällen haben
Kirchenasyle dazugeführt, dass Flüchtlinge nicht
zurückgeschoben wurden.
Duldung (Aufenthaltstitel) „Duldung“
– tolerated status – ist ein krankmachender Aufenthalt.
Für manche ist er besser als die Abschiebung. Doch die
Ungewissheit und die Einschränkungen, die damit verbunden sind,
sind oftmals menschenrechtlich bedenklich. Darum setzen sich Kirchen
dafür ein, dass geduldete Menschen und Familien ein Bleiberecht
nach einer gewissen Frist erhalten, s. www.aktion-bleiberecht.de
Durchhalten Manchmal
ist es in Krisenzeiten schwer, Argumente und eine bestimmte Haltung
durchzuhalten. Sich Gefühle, Schwäche und Zweifel
einzugestehen, kann helfen, besser durchzuhalten und dabei nicht starr
und stur zu reagieren, sondern, durchlässig zu bleiben.
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E
Ehrenamt Es
gibt verschiedene Gaben in einer Gemeinde und bei einem Kirchenasyl
lässt sich dies deutlich machen. Es braucht im
Unterstützerkreis eben genauso diejenigen, die Nachhilfe oder
Sprachkurse anbieten, wie die, die einkaufen, Gänge mit
übernehmen, Spenden herbeischaffen oder mit Behörden
konferieren. Vieles geschieht ehrenamtlich. Dass die verschiedenen
Ämter auch alle geehrt werden, ist das Geheimnis eines
funktionierenden Kirchenasyls – oder gehört zum Rezeptbuch
für Gemeindeaufbau. Dass auch Kritik, gepaart mit einer
respektvollen Haltung, sehr wohl zu Lernschritten für alle
führen kann, ist die höhere Kür.
Engagement Allem Engagement wohnt dies inne, dass man merkt, wo einem das Herz schlägt: Für
die Rechte von Migranten, weil man konkret Menschen vor Augen hat,
für ein Bleiberecht, weil man ein paar Kinder kennt, die sonst
nicht mehr da wären, für ein Kirchenasyl, weil man ohne diese
Menschen in der Gemeinde nicht sein möchte.
Entwicklungspolitische Bildungsarbeit In
der Kirchenasylarbeit macht es Sinn, sich angesichts eines bestimmten
Herkunftslands mit Fachleuten abzustimmen. Manchmal gibt es
Partnerschaftsgruppen in der eigenen oder Nachbargemeinde. Formen
globalen Lernens können ausprobiert werden. Zwischen den Fragen
der Migration und entwicklungspolitischer Bildungsarbeit braucht es
intensive Brücken. Während eines Kirchenasyls kann manches
zusammenwachsen – auch innerhalb der Kirche. Es gilt,
Fluchtursachen zu bekämpfen und nicht Flüchtlinge. Hier muss
weiter gemeinsam nach Antworten gesucht werden. www.eed.de
Entwurzelung Viele
Flüchtlinge und Migranten leben unter uns entwurzelt,
„uprooted“, ohne Bezüge zu ihrer Herkunft, =>
Heimat und Beheimatung. Viele Abgeschobene bleiben entwurzelt in ihrer angeblichen Heimat, ohne eine geglückte Rückkehr. Siehe Broschüre „Solidarität mit den Entwurzelten“ (vgl. Publikationen/Unsere Materialien)
Erfolg/ Erfolgreiches Kirchenasyl Als
erfolgreich bewertet die Ökumenische BAG Asyl in der Kirche alle
Kirchenasyle, bei denen eine Abschiebung verhindert und mindestens eine
Duldung erreicht wurde. Als nicht erfolgreich beendet gelten
Kirchenasyle, bei denen die aufgenommen Personen letztlich
„freiwillig“ ausreisten, untertauchten oder solche
Fälle, die geräumt und die Personen abgeschoben wurden. vgl. Publikationen/Unsere Materialien: - Erstinformation Kirchenasyl - Studie „Sonst wär’ ich nicht mehr hier“
Erstinfo Kirchenasyl Wichtig
ist, die entscheidenden Grundlagen für Kirchenasyl immer weiter zu
geben. Unter vgl. Publikationen/Unsere Materialien befindet sich
die „Erstinfo Kirchenasyl“, als Broschüre kann sie in
der Geschäftsstelle der BAG Asyl in der Kirche bestellt werden. Gut
ist es aber auch, in einer Gemeinde selbst „Erstinfos“ zu
entwickeln und mit den Gästen im Kirchenasyl gemeinsam abzustimmen.
Essen und Trinken (=> Wasser und Wein) Nichts
ist schöner als die Feste, die gemeinsamen Veranstaltungen, die
nach der globalen Welt eben auch schmecken dürfen… Gerade
für Flüchtlinge ist es wichtig, dass sie die Gelegenheit
haben, aus ihrer Kultur bekannte Gerichte zu kochen und zu essen. Da
dies enorm zum Wohlbefinden beiträgt, sollten diese elementaren
Grundbedürfnisse – vor dem Hintergrund traditioneller und
kultureller Unterschiede – respektiert werden.
Evaluation (=> Dokumentation) Es
ist wichtig, alle paar Monate den Stand eines Kirchenasyls zu
beschreiben und auszuwerten, Kritik einzubeziehen und das
würdigende Wertschätzen der erbrachten Leistungen nicht zu
vergessen.
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F
Familie und
Familientrennung Familie ist ein hoher christlicher Wert. Bei Flüchtlingsfamilien gerät
dies oft in den Hintergrund. Familienmitglieder werden häufig auf der Flucht
voneinander getrennt. Dies geschieht aber auch in Deutschland, etwa wenn sie zu
unterschiedlichen Zeiten einreisen und ihren Asylantrag stellen. Hier ist nicht
mit zweierlei Maß zu messen. Der Schutz von Ehe und Familie hat Vorrang, und
zwar auch dann, wenn es sich nicht um eine Kleinfamilie unserer Definition,
sondern um einen größeren Familienverband handelt, oder aber wenn die Ehe nach
einem religiösen Ritus geschlossen wurde und nicht bei unseren Standesämtern.
Das europäische Recht geht jedenfalls an vielen Stellen weiter, als das Denken
in manchen Ausländerbehörden.
Hilfreiche Quellen und Kontakte:
Grundgesetz Art. 6
EMRK (Europäische Menschenrechtskonvention) Art. 8
Europäische Qualifikationsrichtlinie §23
www.ekiba.de zu Flucht und Migration
www.b-umf.de zum Thema Unbegleitete
Minderjährige Flüchtlinge, Vormundschaft etc.
Finanzierung Kirchenasyl zu gewähren, kostet Geld. Die Kosten sollten realistisch
eingeschätzt werden. Zu denken ist u.a. an den Unterhalt für die Familie/die
Einzelperson, Miet- bzw. Nebenkosten der Räume, Gesundheitsversorgung,
Gutachten, Anwaltskosten. Um das Geld aufzubringen, sind der Kreativität von
Unterstützerkreisen und Gemeinden keine Grenzen gesetzt: Spendenaufrufe, => Kollekten
in der eigenen und in anderen Gemeinden, Benefizveranstaltungen,
Kulturprogramm, Basare und Feste sind nur einige der Möglichkeiten. Mit
Menschen, die privat spenden, sollte der Kontakt gepflegt werden
(Weihnachtsgruß o.ä.). Eine Gemeinde kann aber auch um Hilfe in
Nachbargemeinden, bei den Kirchenleitungen, den Flüchtlingsbeauftragten, bei
kirchlichen Werken oder bei der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche bitten,
wenn die Finanzierung sie überfordert. Mancherorts gibt es Fonds, die
Einzelfälle unterstützen können.
Für die Flüchtlinge kann die finanzielle Abhängigkeit belastend sein. Es
ist ungut, wenn sie über jede Ausgabe Rechenschaft ablegen muss. Hilfreich ist
es, einen festen monatlichen Betrag zu vereinbaren, über den die Familie/die
Person frei verfügt, so dass nicht bei jeder einzelnen Kaufentscheidung der
Unterstützerkreis „mitredet“.
Flucht,
Fluchtgründe, Flüchtlinge (=> Genfer Flüchtlingskonvention)
www.unhcr.de, www.unhcr.org, www.uno-fluechtlingshilfe.de
Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert in Art. 1, was unter einem
Flüchtling zu verstehen ist. Fluchtgründe können sein: Verfolgung wegen der Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder
wegen der politischen Überzeugung. Aber auch geschlechtsspezifische Verfolgung oder
Faktoren wie Krieg oder Bürgerkrieg, zunehmend auch Klimaveränderungen bringen
Menschen zur Flucht.
Das Hohe Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR)
dokumentiert die weltweiten Fluchtbewegungen und veröffentlicht regelmäßig
aktuelle Zahlen.
In Deutschland gibt es eine eigene Geschichte der Flucht. Während und
nach dem Dritten Reich und dem II. Weltkrieg mussten zahlreiche Menschen aus
Deutschland fliehen.
Flüchtlingsrat In allen Bundesländern gibt es Flüchtlingsräte, die ansprechbar für alle
Belange von Flüchtlingen sind, politische Lobbyarbeit leisten und die
Flüchtlingsschutz-Initiativen vor Ort vernetzen. Eine Liste der Flüchtlingsräte
findet sich bei Pro Asyl (www.proasyl.de).
Folter Folter ist jede Handlung, durch die einer Person
von einem Träger staatlicher Gewalt oder auf dessen Veranlassung hin vorsätzlich
starke körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, um von
ihr oder einem Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erzwingen, sie zu
bestrafen sie oder andere Personen einzuschüchtern. (Art.1,
Anti-Folter-Konvention)
www.amnesty.de, www.refugio.org,
www.xenion.org, www.institut-fuer-menschenrechte.de
Frauen
Weltweit sind unzählige Frauen auf der Flucht. Oftmals sind frauenspezifische
Fluchtgründe ausschlaggebend.
Folgende Initiativen können weiterhelfen und informieren:
KOK- Bundesweiter
Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im
Migrationsprozess e.V. (www.kok-buero.de)
Terre des femmes (www.frauenrechte.de)
Amnesty for women (www.amnestyforwomen.de)
Women against violence in Europe (www.wave.org)
Um Unterstützung im Einzelfall können auch die Evangelischen Frauenwerke
oder entsprechende katholische Organisationen gebeten werden.
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G
Gastfreundschaft,
Gäste, Gästewohnung
Gastfreundschaft ist ein alter, kulturell-religiös verankerter Wert, den
auch die Bibel an vielen Stellen hochhält (Hebräerbrief 13,1 u.v.a.).
Leonardo Boff zählt ihn zu den „Tugenden für eine bessere Welt“
(Oberursel 2009).
Die Ökumenische BAG Asyl in der Kirche ruft Kirchengemeinden dazu auf,
Gästewohnungen für die vorübergehende Aufnahme von Menschen ohne Papiere in
Notsituationen bereit zu stellen. Über www.kirchenasyl.de
oder als Bestellung in der Geschäftsstelle ist erhältlich:
Informationsfaltblatt: Gästewohnungen für
Menschen ohne Aufenthaltspapiere
Broschüre: Solidarität mit den Entwurzelten
Gemeinde
Ortsgemeinde (Kommune) und Kirchengemeinde wirken bei einem Kirchenasyl
manchmal eng zusammen. Die Kirchengemeinde, vertreten durch den Gemeinderat (Kirchenvorstand/
Presbyterium), ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Als solche
verantwortet sie ihre Entscheidung für ein Kirchenasyl (mit
Gemeinderatsbeschluss). Der Vollzug eines Kirchenasyls, bei dem viele Menschen
mit ihren unterschiedlichen Gaben mitwirken, trägt oftmals zum Gemeindeaufbau bei. Gemeindedienst: In vielen Landeskirchen
gibt es gesonderte spezialisierte Gemeindedienststellen, die unterstützend Rat
geben können.
Gemeindebrief
(=> Öffentlichkeitsarbeit)
Genfer Flüchtlingskonvention
(GFK)
1951 verabschiedete eine UN-Konferenz die Genfer Flüchtlingskonvention.
Sie legt fest, wer ein Flüchtling ist und was für Rechte und Pflichten
Flüchtlinge haben. Die GFK ist das erste universell geltende Abkommen, welches
sich Flüchtlingen widmet. Die GFK nicht unterschrieben haben beispielsweise
Malaysia, Libyen…
Gesundheitsversorgung
Ins Kirchenasyl kommen oft kranke, angeschlagene und traumatisierte
Menschen. Befreundete Ärztinnen und Ärzte oder Netzwerke kirchlicher
Krankenhäuser sind hier wichtige Ansprechpartner.
Bei Unfällen und Notfällen ist ohne Zögern 112 zu wählen! Eine Einweisung
in eine Klinik kann manchmal notwendig, aber auch „not-wendend“ sein.
Zur Gesundheitsversorgung für Menschen ohne Papiere:
Büros für medizinische Flüchtlingshilfe: www.medibueros.org
Malteser-Migranten-Medizin (MMM): www.malteser.de/73.malteser_migranten_medizin
Rechtliche Grundlagen: s. www.fluchtpunkt-hh.de
Gewalt
Traumatisierte Menschen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, brauchen
besondere Aufmerksamkeit. Aber auch Gemeinden, denen mit einer gewaltsamen
Räumung gedroht wird, sollten sich entsprechend wappnen.
- vgl. das Kapitel „Seelsorge im Kirchenasyl“ in diesem Buch
- www.Gewalt-ueberwinden.de
Gewissen, Gewissensentscheidung
Zu den Leitgedanken von Kirchenasyl gehört, dass die Entscheidung für
ein Kirchenasyl als Gewissensentscheidung begründet wird. Gemeinden, die
Flüchtlingen Zuflucht bieten, sehen sich durch ihren christlichen Glauben
verpflichtet, Menschen vor einer Abschiebung zu schützen, wenn begründete
Zweifel an einer gefahrlosen Rückkehr bestehen. Das heißt aber nicht, dass man sich allein
auf das Gewissen berufen sollte und keine anderen Herleitungen mehr bräuchte.
Glaubwürdigkeit
(=> Beweise, => Halt und Haltung)
Um Glaubwürdigkeit geht es sowohl in unserem Verhalten als auch im Bezug
auf die Geschichten der Flüchtlinge. Widersprüche sind aufzuklären und zu
erklären.
Grenzen
- Es ist in der Kirchenasylarbeit wichtig, auf eigene Grenzen und die
von anderen zu achten. Um sich abgrenzen zu können, ist manchmal Supervision
hilfreich.
- Europäische Grenzsicherung, Grenzschutzagentur FRONTEX: s. www.proasyl.de / www.borderline-europe.de.
- Die Ökumenische BAG Asyl in der Kirche hat ein Requiem für die
ertrunkenen Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen veröffentlich und eine
Fürbittensammlung erstellt: s. www.kirchenasyl.de
und www.migration2010.eu
Grundgesetz
Art. 1,1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu
schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Art. 6,1: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der
staatlichen Ordnung.“
Art.16a,1: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“
Art 20,1,2: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und
sozialer Bundesstaat. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“
Art. 20,4: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen,
haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Hilfe nicht möglich
ist.“
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H
Halt und Haltung
Einen Halt zu haben, der sich aus dem Glauben speist, und eine Haltung zu
finden, die Menschen offen, freundlich und würdigend annimmt, ist die
gemeinsame Basis beim Kirchenasyl. Beides ist miteinander ins Gespräch zu
bringen und im Miteinander zu bewähren.
Handeln, Handlungsfähig
bleiben
Es kann Vieles diskutiert werden und hinterfragt werden – aber dann ist
es auch Zeit, verantwortlich zu handeln. Manchmal überraschen einen die
Ereignisse. Ruhe zu bewahren, um handlungsfähig zu bleiben, ist eine
entscheidende Eigenschaft.
Härtefallregelung,
Härtefallkommission
Ins Zuwanderungsgesetz von 2005 ist mit §23a eine Härtefallregelung
aufgenommen worden. Aufgrund individueller Härten kann ein Bleiberecht
eingeräumt und von einer Abschiebung Abstand genommen werden, auch wenn eine
Ausreisepflicht besteht und alle anderen rechtlichen Schritte keinen Aufenthaltstitel
erbracht haben. Diese Härtefallregelung ist unter anderem ein Erfolg der
Kirchenasylbewegung, geht sie doch in Berlin nachweislich auf die Kirchenasylarbeit
zurück. Die unermüdliche Würdigung der Einzelfälle hat hier nach Jahren Wirkung
gezeigt.
Eine Übersicht über alle Härtefallkommissionen bundesweit erstellt
regelmäßig Andreas Schwantner von amnesty international.
Adressen und Hinweise finden sich bei den Flüchtlingsräten.
s. www.fluechtlingsrat-nrw.de,
www.proasyl.de, www.amnesty.de.
Heimat und
Beheimatung
Was eigentlich Heimat ist, ist schwer zu fassen. Größer als alle
Sehnsucht und mit oft irrealen Idealisierungen behaftet, lässt es sich schwer
beschreiben, was Heimat sei.
Niemand verlässt jedenfalls seine Heimat ohne Grund.
Beheimatung aber suchen in unserer globalisierten Welt viele Menschen –
auch die, die eigentlich eine Heimat und ein Zuhause im engen Sinne haben. Viele
sehnen sich etwa nach einer Beheimatung in einer Gemeinde oder Gruppe. Die
Fragen nach Heimat und Beheimatung sind eher seelsorgerlicher Natur, als dass
ihre Antworten einen realen Begriff beschreiben.
Wichtig ist es, diese Fragen selbst zu definieren – dies mag eher
poetisch und biografisch ausfallen – , als sie sich von national geprägten,
politisch reaktionären Kräften aus der Hand nehmen und beantworten zu lassen.
Das Gegenteil von Heimat und Beheimatung ist => Entwurzelung.
Heirat
Manche Ehen zerbrechen an der Fluchtgeschichte, an Migration und
Verfolgung, manche erblühen dabei.
Viele Ehen sind für deutsche Behörden nicht ausreichend dokumentiert,
obwohl sie stabil sind (z.B. Ehe nach Roma-Art geschlossen, religiös
geschlossene Ehen).
Manche Ehe entsteht aus migrationsrechtlichen Lücken statt als
Liebesheirat. Viele Beziehungen zerbrechen an diesen Fragen.
Werden binationale Ehen geschlossen, steht schnell ein so genannter
„Scheinehe“-Verdacht im Raum und die Glaubwürdigkeit wird durch Behörden
geprüft.
Heirat unter Druck ist nie eine gute Lösung eines aufenthaltsrechtlichen
Problems. Dieses Phänomen verweist jedoch eher auf einen hermetisch
abgeschlossenen Staat, der Rechtslücken produziert und Menschen nötigt, Dinge
privat zu regeln, statt andere Auswege als Staat bereit zu halten.
Immerhin ist ein Großteil der in Deutschland geschlossenen Ehen
inzwischen binational.
Die Frage, ob und wie eine im Ausland geschlossene Ehe gewertet wird,
ist ebenfalls stark von politischen Interessen durchsetzt. Den Ehegattennachzug
an die Deutschkenntnisse vor der Einreise zu koppeln – mit der Vorgabe, erzwungene
Eheschließungen verhindern zu wollen – ist von vielen als ausländerfeindliches
und unbrauchbares Mittel kritisiert worden!
Dagegen gab es einige Fälle von Kirchenasyl, wo gegen eine
Zwangsverheiratung Schutz in Kirchenräumen gewährt wurde.
Beratung für binationale Paare in der Ev. Auslandsberatung: www.ev-auslandsberatung.de
Verband binationaler Familien und Partnerschaften: www.verband-binationaler.de
Helfersyndrom
Soziologischer Begriff, der nicht das Helfen an sich diffamiert, sondern
der die Grenzenlosigkeit des Helfens, das Absehen von eigenen Grenzen infrage
stellt. Hier geht es um verkappte Macht und um => Paternalismus. Doch ein Eintreten
für die Rechte anderer meint immer auch ein Eintreten für einen selbst.
Herkunftsland
Es gibt viele Hinweise zu Herkunftsländern und viele Experten. Recherche
und Fragenstellen sind der Ansatz, um Informationen zu sammeln
Das Auswärtige Amt ( www.auswaertiges-amt.de
), die Länderberichte von Amnesty International (www.amnesty.de)
und die Datenbank von ECOI – European Country of Origin Information Network
(www.ecoi.net) sind hilfreich, um sich über Herkunftsländer zu informieren.
Hilfe!
Wo finden Helfer Unterstützung? Rechtzeitig um Hilfe bitten zu können,
heißt, dass man gelernt hat, auf andere zuzugehen und die eigene Hilflosigkeit
und Schwäche zugeben zu können. Kirchenasyl funktioniert nur als Netzwerk und
im Verbund mit anderen und ist für diese Tugenden ein Lernort. Für heikle
Situationen ist ein vorbereiteter „Notfallplan“ hilfreich, z.B. eine Liste mit
wichtigen Nummern für eine Telefonkette.
Höflichkeit
Höflicher und respektvoller Umgang miteinander gehört zu den Grundlagen
gelingender Kirchenasylarbeit.
Humor
Lachen ist gesund und auch im Kirchenasyl erlaubt! Manch Lachen entsteht
gerade da, wo die Ohnmacht wohnt. Manch bissiger Kommentar, manche zynische
Bemerkung zielt auf den Schmerz, der sonst ungesagt bliebe. Manch erlösendes
Lachen verhilft zu neuer Haltung.
Pro Asyl und andere haben Karrikaturen veröffentlicht, die die
Alltagskomik in der Flüchtlingsarbeit abbilden.
Auf der Ausländerbehörde fragt der Beamte:
„Und können Sie sich ausweisen?!“
„Was?“ fragt der Migrant zurück, „Muss man
das hier schon allein tun?“
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I
„Illegalität“
„Ihr sollt wissen, dass kein Mensch illegal ist. Das ist ein Widerspruch
in sich. Menschen können schön sein oder noch schöner. sie können gerecht sein
oder ungerecht. Aber illegal? Wie kann ein Mensch illegal sein?“ (Elie Wiesel)
Auch Kirchenasyl ist nicht „illegal“, es ist unserer Meinung nach auch
keine „Unterstützung im illegalen Aufenthalt“. Es mag im konkreten Einzelfall
gegen ordnungsrechtliche Vorgaben verstoßen, ist aber zugleich ein Schutz der
Grundrechte. Kirchenasyl ist nicht in erster Linie ein Ort, der Schutz bietet,
sondern ein Zeitraum, den wir erbitten, um Entscheidungen zu überprüfen. Ein „Untertauchen“
kann es dann nicht sein, wenn es den Behörden bekannt gemacht wird. In vielen
Bundesländern ist es eine anerkannte Schutzform auf Zeit und damit eine
Unterbrechung eines Verwaltungshandelns.
Gästewohnungen fragen ebenso wenig wie Klöster oder Kommunitäten als
erstes nach Ausweispapieren. Sie helfen Menschen in einer Notsituation und
bieten ein Dach über dem Kopf, Beratung und Hilfe. Somit verhindern sie, dass
menschliche Katastrophen sich in unserer Gesellschaft ereignen und halten Türen
offen, wo andere Zellentüren schließen wollen.
Vgl. unsere Broschüre „Solidarität mit den Entwurzelten“, www.Kirchenasyl.de
Katholisches Forum Leben in der Illegalität, www.forum-illegalitaet.de
Kein Mensch ist illegal, www.kmii-koeln.de.
PICUM -Platform for
International Cooperation on Undocumented Migrants, www.PICUM.org
Inspiration
Einhauchen – manche Ideen zeugen von einem Wehen des Geistes in unseren
Gemeinschaften. Da knien Menschen nieder, wenn die Staatsmacht erscheint. Da
hilft gewaltfreies Handeln staatlichen Organen zum Überdenken von Entscheidungen.
Da ist ein Kinderlachen oder -weinen eine Anregung, um noch einmal ernsthaft zu
prüfen, ob wirklich eine Abschiebung nötig ist. Immer da, wo Menschen sich neu
berühren lassen, spürt man etwas von Inspiration.
Integration
ist ein wechselseitiger Prozess. Die Frage, warum eine Familie immer
noch so schlechte Deutschkenntnisse hat nach all der langen Aufenthaltszeit,
muss doch die aufnehmende Gemeinschaft stellen – und zwar sich selbst. Wie
konnte es angehen, dass verkannt wurde, dass diese Menschen Analphabeten waren
und die ganzen Bildungsangebote von vornherein nicht lesen konnten? Warum hat
niemand nachgefragt und Angebote gemacht, als die Kinder zur Schule kamen?
Fördern und Fordern- ein kurz-schließender Slogan. Diese Gesellschaft
hat bislang wenig Menschen gefördert, aber immer eine Integration, ein Erlernen
der Sprache gefordert.
Im Kirchenasyl werden viele dieser Defizite sichtbar. Mit liebevollen,
auf die/den Einzelnen zugeschnittenen Angebote werden schnell Erfolge erzielt,
die für eine nachzuweisende Integrationsleistung erforderlich sind.
Was in einer Gemeinde während eines Kirchenasyls gelebt wird, kann eine
Form einer inklusiven Gesellschaft sein, wo alle willkommen geheißen werden und
mit ihren Gaben und Begabungen sich einsetzen können. Integration meint in
unserem Sinne diese Willkommenskultur, das Leben in einer sich auf Inklusion
und Akzeptanz gründenden Gesellschaft – und nicht allein Assimilation.
Die Integrationsleistung der Gemeinde während eines Kirchenasyls kann
sein: Hilfe bei nachgeholten Integrationsleistungen/ Deutschkurse, Landeskunde,
Nachhilfe, Jobfindung, etc.
Wie man aber Integration anhand von „Integrationsmerkmalen“ messen will,
bleibt ein Geheimnis des Staates, zumal in jedem Bundesland die Integration
wirklich nur gelungen ist, wenn man das besondere Lokalkolorit beherrscht. Ob
das messbar sein wird, mögen andere entscheiden…
Interessen, Interessenkonflikt
Wie es unterschiedliche Gaben gibt, gibt es auch immer unterschiedliche
Interessen. Haben die einen eher die rechtlichen Angelegenheiten im Blick,
dürfen andere für die Spendenbeschaffung Basare vorbereiten und kreative Texte
schreiben. Regel: man darf auch nach dem Lustprinzip Interessen nach vorne
bringen.
Wo es unterschiedliche Interessen gibt, ist es wichtig, diese zu
benennen und wenn möglich kenntlich zu machen. Im Kirchenasylfall gibt es oft
einen Interessenkonflikt zwischen Behördenvertreter und Kirchenmitgliedern,
Unterstützern von Kirchenasylgästen und /oder der Polizei.
Interkulturell/ Interkulturalität
„Multikulti ist tot“, heißt es landauf-landab. Als hätte es das je so
gegeben. Toleranz ist niemals etwas, das man diffamieren sollte und als Wert
herabstufen darf. Dafür sind Kirchen und Religionsgemeinschaften weltweit eher
die Konfliktstifter, wenn sie sich fundamentalistisch gegen andere abgrenzen.
Niemand in unserem Land sollte hinter Toleranz und Respekt gegenüber anderen
wieder zurückfallen.
Offenheit und Brückenbau ist in jedem Stadtteil gefragt. Bei Kirchenasyl
ist es verblüffend, wie die Sorge um Nachbarn aus verschiedenen Kirchen
ökumenische Partner machen kann und aus verschiedenen Religionsgemeinschaften
gemeinsam Handelnde.
www.ACK.de
www.Interkultureller-Rat.de
Ausgearbeitetes Gottesdienstmaterial, wichtige Themen und Anregungen
finden sich auf der Seite der „Interkulturellen Woche“ www.interkulturelle-woche.de
Internationale
Zusammenarbeit
Die Kirchenasylbewegung ist mit Akteuren der Flüchtlingsarbeit in vielen
Ländern vernetzt. Die Herausforderungen ähneln sich und lassen sich teilweise
nur im länderübergreifenden Verbund sinnvoll thematisieren und angehen (z.B.
Menschenrechtsverletzungen bei der Flüchtlingsabwehr an den Außengrenzen der
EU, an der US-mexikanischen Grenze usw.) Auch im Falle von Abschiebung,
Rückkehr oder Weiterwanderung ist es wichtig, Ansprechpartner vor Ort zu haben.
Links zu internationalen Partnern finden sich u.a. unter www.kirchenasyl.de.
Interreligiös
Kirchenasylarbeit hat oft eine interreligiöse Komponente, da viele
Kirchenasylgäste einen anderen religiösen Hintergrund haben als den
christlichen. Dies ist eine Herausforderung und zugleich eine Chance, vieles
voneinander zu lernen. Auch die Unterstützung kann gemeinsam mit Menschen
anderer religiöse Prägung erfolgen.
Ein interreligiöser Festkalender ist hilfreich für die Arbeit.
Inzwischen werden die ersten Akademien der Weltreligionen in Deutschland
gegründet (zum Beispiel Hamburg). Gutes Material für Diskussionen gibt es u.a.
von Prof. Wolfram Weiße oder auch Prof. Heiner Bielefeldt.
- Stiftung Weltethos: www.weltethos.de
- Material und Anregungen auch z.B. beim Forum für interreligiöse
Bildung in Berlin:
www.zentrum-jerusalem.de
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J
Jahreszyklus
Das Beachten von Rhythmen und die Gestaltung verschiedener Phasen und
Zeiträume können für das Kirchenasyl hilfreich sein. Zur Thematisierung von
Flucht und Asyl im gottesdienstlichen Leben der Gemeinde, sofern nicht ohnehin
lokale Gegebenheiten dies nahe legen, bieten manche Kirchenjahreszeiten oder
Aktionszeiten besondere Anknüpfungspunkte: etwa die Adventszeit als Bußzeit,
die Passionszeit, Pfingsten als Aufbruchszeit, die Interkulturelle Woche,
Friedenswochen, der Tag der Menschenrechte.
Vgl. Fanny Dethloff/Verena Mittermaier (Hg): „Zähle die Tage meiner
Flucht…“ Gottesdienstmaterialien zum Thema Flucht und Asyl, Karlsruhe 2008.
Anregungen auch unter www.interkulturelle-woche.de.
Justiz
(=> Behörden)
Für die rechtliche Seite eines Kirchenasylfalles können verschiedene
gerichtliche Ebenen eine Rolle spielen: Amtsgericht, Verwaltungsgericht,
Oberverwaltungsgericht, Europäische Gerichte… Es macht in jedem Fall Sinn,
immer fachlich kompetente Menschen (Anwältinnen/ Migrationsberatungsstellen
etc) zu Rate zu ziehen, die das Gebiet genau beherrschen, die die gerichtlichen
Ebenen und Instanzen sowie deren Fristen durchschauen und die einschätzen
können, was im jeweiligen Einzelfall erforderlich ist. Stehen Prozesstermine
an, so ist in Absprache mit dem Anwalt/ der Anwältin und den Klienten eine
Prozessbegleitung und Prozessbeobachtung durch Unterstützer/innen in den
meisten Fällen hilfreich.
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K
Kinder
(=> Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge)
Kinder im Kirchenasyl brauchen Möglichkeiten der Beschulung oder des Kindergartenbesuchs
sowie Spielmöglichkeiten. Kinder brauchen darüber hinaus besondere
Aufmerksamkeit und Schutz, wenn die im Kirchenasyl geschützten Familien in
einer schwierigen persönlichen und gesundheitlichen Situation sind. Kinder
haben eigene Rechte, die Beachtung finden müssen. Im Einzelfall kann Erziehungsintervention
nötig werden.
- s. das Kapitel „Seelsorge im Kirchenasyl“ in diesem Buch und als
Broschüre unter www.kirchenasyl.de
- UN-Kinderrechtskonvention (www.unicef.de)
und www.national-coalition.de
Kirche, Kirchengelände,
Kirchliche Räume
Nicht um sakrale Orte, sondern um den Schutz einer lebendigen Gemeinde
geht es bei Kirchenasyl. Für die praktische Durchführung hängt jedoch Vieles
davon ab, wie und wo man Menschen in kirchlichen Räumlichkeiten unterbringen
kann. Ob wir uns wirklich auf den Altarraum fixieren sollten, wenn eine Familie
Schutz sucht, muss von den Gepflogenheiten vor Ort und in der Region/im
Bundesland abhängig gemacht werden. Viele Gemeinden finden andere Lösungen in
Räumlichkeiten, die zur Gemeinde gehören. Menschen im Kirchenasyl brauchen
jedenfalls einen gewissen Freiraum und auch frische Luft. Aspekte der sanitären
Versorgung und der Kochmöglichkeit spielen ebenfalls eine Rolle.
Einprägsam sind Bilder wie die aus Jena, wo in einer großen Kirche Zelte
aufgeschlagen wurden.
Siehe Fotos und Texte aus 20 Jahre Kirchenasyl: „ Asyl in der Kirche.
Eine Dokumentation“, Karlsruhe 2004.
Kirchenasyl
Kirchenasyl ist die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne
legalen Aufenthaltsstatus, denen bei Abschiebung in ihr Herkunftsland Folter
und Tod drohen oder für die mit einer Abschiebung nicht hinnehmbare soziale,
inhumane Härten verbunden wären. Eine Kirchengemeinde oder ein Kloster nimmt
die Person/en in ihre Räume auf. Während des Kirchenasyls werden alle in Betracht
zu ziehenden rechtlichen, sozialen und humanitären Gesichtspunkte geprüft. In
vielen Fällen gelingt es nachzuweisen, dass Entscheidungen von Behörden
überprüfungsbedürftig sind und ein neues Asylverfahren Erfolg versprechend ist.
Kirchenleitung
Wichtig ist es, am besten bereits im Vorfeld eines
Kirchenasylbeschlusses, spätestens aber zum Zeitpunkt des Beschlusses die
Kirchenleitung zu informieren und in die Überlegungen einzubeziehen. Erzbistum,
Bischöfe, Superintendenten, Flüchtlings- oder Ausländerbeauftragte der
Landeskirchen sind wichtige Ansprechpartner/innen und führen manchmal selbst
die entscheidenden Gespräche mit Landesregierungsvertreter/innen.
Klinik/ Krankenhaus
(=> Gesundheitsversorgung)
Konversion
Manchmal gibt es nach einiger Zeit den Wunsch der aufgenommenen Gäste,
mehr über den christlichen Glauben zu erfahren. In einigen Fällen gab es auch
Taufen nach einem Kirchenasyl. Das setzt einen intensiven Taufunterricht voraus
und ist nicht vorschnell zu entscheiden.
In manchen Fällen kommt es zu Kirchenasylen, weil Menschen zum
christlichen Glauben übergetreten sind und ihnen deshalb Verfolgung im
Heimatland droht.
- s. epd-Dokumentation Nr. 47/2008 „Taufe und Konversion im Asylverfahren“
Kreuzweg
Der Karfreitag oder auch andere Termine im Jahr können als Anlass für
einen Kreuzweg genommen werden, der an öffentlichen Orten die Situation von
Flüchtlingen und Asylbewerbern thematisiert. Erfahrungen und Textvorschläge aus
Hamburg liegen als Veröffentlichung vor und laden zur Nachahmung ein:
- Dietrich Gerstner (Hg), Kreuzwege für die Rechte der Flüchtlinge,
Karlsruhe 2007.
Kirchenrecht
s. www.dbk.de
s. www.ekd.de
Krise, Krisenintervention
Natürlich sind Krisen Herausforderungen, aber sie sind auch Chancen.
Nicht nur bei der Notfallseelsorge (www.notfallseelsorge.de) geht es um
Krisenintervention. Auch im Kirchenasyl sind kompetente Menschen gefragt, die
mit Krisen adäquat umgehen können. Im Zweifelsfall ist es immer ratsam, Hilfe
von außen heranzuziehen.
Kollekte/ Kollektenplaner
(=> Finanzierung)
Ein aktueller Kirchenasylfall vor Ort ist oft ein einleuchtender Anlass
für eine Gemeinde, diesem Zweck eine Gottesdienstkollekte zu widmen. Man kann
aber auch etwas weiter gefasst etwa um Spenden für eine Familie in Not, für die
Einzelfallseelsorge oder die Asylarbeit einer Gemeinde/Region bitten. Dies ist
z.B. angemessen, wenn es sich um ein stilles Kirchenasyl handelt, über das in
der Öffentlichkeit weniger gesprochen werden soll. Auch bei Werken wie dem Frauenwerk
oder der Familienhilfe, bei Diakonie und Caritas lohnt es sich, Spenden oder
Kollekten anzufragen. Um in den Kollektenplaner einer Landeskirche oder einer
Superintendentur/eines Dekanats aufgenommen zu werden, ist es sinnvoll, rechtzeitig
an die entsprechenden Stellen heranzutreten.
Dann wird an einem festgelegten Sonntag in dem jeweiligen Gesamtbereich für die
Kirchenasylarbeit gesammelt.
Kommunikation
Nicht nur in der Kirchenasylarbeit, sondern in allen gemeindlichen
Belangen ist Kommunikation eine der wichtigsten Gaben und Aufgaben. Sie ist die
Voraussetzung dafür, dass die Beteiligten an einem Strang ziehen. Entscheidungsprozesse
verlaufen jedoch nicht immer konfliktfrei. Im Gegenteil, Konflikte zeugen oft
eher von Normalität im Umgang miteinander, gerade auch im Kirchenasyl. Sie sind
Chancen, insofern sie Anfragen, Bedürfnisse und Rollenzuschreibungen sichtbar
machen.
Während manche Situationen ausführliche Diskussionen mit Zeit und Ruhe
erfordern, braucht es an anderen Punkten eher klare Entscheidungen und
Übernahme von Verantwortung. In unserer Gesellschaft, aber auch in der Kirche
gibt es manchmal eine Kultur, Fehler geradezu als unerträglich anzusehen und
lieber lange zu diskutieren, um persönliche Verantwortung für alle
Möglichkeiten auszuschließen. Fehler zu machen, gehört aber zum Menschsein
dazu. Hier ist Klarheit, Mut und Entscheidungsfreudigkeit gefragt. Manche
überlange Diskussion kann so abgekürzt werden. Auch sich durchzusetzen ist eine
Kunst, wenn damit verbunden ist, andere nicht verletzt zurückzulassen.
Andererseits ist Verhalten immer wieder diskussionswürdig und
hinterfragbar. Zwischen beiden Tendenzen gilt es eine Balance zu finden. Transparenz,
Offenheit und Gesprächsbereitschaft sind immer wieder neu gefragt.
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L
Ländernetzwerke
Regional ist die Kirchenasylarbeit in Ländernetzwerken, Sprecherräten
oder Asylarbeitskreisen organisiert. Informationen über die
Kirchenasyl-Ländernetzwerke und lokale Ansprechpersonen finden Sie auf der
Startseite (Deutschlandkarte) und unter Adressen/Ländernetzwerke auf der
Website www.kirchenasyl.de.
Länderinformation
(=> Herkunftsland)
Liebe
Vgl. Bibel/ Gabenlehre 1. Kor 12 u 13. Beim Loblied auf die Liebe ist
darauf hinzuweisen, dass die meisten Texte im Neuen Testament sich auf
Gemeinschaft und auf das Gemeindeleben beziehen. Voraussetzung dafür ist die
Liebe von Gott zu uns und umgekehrt.
Über Liebe und Sexualität zu reden, setzt Respekt voraus und sollte
begleitet sein vom Wissen um eventuelle Traumatisierung. Geschlechtsspezifische
Verfolgung und z.B. Homosexualität als Fluchtgrund erfordern, dass man dies in
Sprache fassen kann und begleiten kann. Aber auch die Fragen von Zwangsheirat
und „Ehrenmord“, wo Liebe und falsch verstandene „Ehre“ zum Problem werden,
sind aufzudecken und anzugehen. Mehrfach führte diese Problematik zu
Kirchenasylen.
Lernen
Schule, Computerkurse und Ideen für Erwachsene sind gefragt, um den
Alltag im Kirchenasyl zu gestalten. Zugleich kann Kirchenasyl eine Chance sein,
innerhalb der Gemeinde zum „globalen Lernen“ anzuregen, z.B. im
Konfirmandenunterricht.
Ein schönes Schlagwort im Zusammenhang mit Gemeindeaufbau ist der
„Lernort Gemeinde“. Menschen machen sich gemeinsam auf den Weg und lernen dabei
voneinander. Kirchenasyl ist hierfür bestens geeignet.
Lobbyarbeit (Advocacyarbeit)
Lobbyarbeit meint das Eintreten für die Rechte von Flüchtlingen und das
anwaltliche Auftreten in der Sache, es meint Zeugenschaft und erfordert Vernetzung.
Die Ökumenische BAG Asyl in der Kirche ist Mitglied im Forum
Menschenrechte (www.forum-menschenrechte.de)
und bringt sich im Verbund mit ca. 50 Menschenrechtsorganisationen in
politische und zivilgesellschaftliche Debatten ein.
Europaweit wird die kirchliche Lobbyarbeit für Flüchtlinge durch die
Churches’ Commission for Migrants in Europe (CCME) vorangebracht (www.ccme.be).
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M
Mahnwachen
An etlichen Orten wird die Aktionsform der Mahnwache regelmäßig oder
punktuell eingesetzt, um die Rechte von Flüchtlingen zu stärken und
Diskriminierung anzuprangern. So gibt es z.B. Mahnwachen vor der
Ausländerbehörde oder vor dem Abschiebegewahrsam. Mahnwachen müssen angekündigt
werden, politische Mahnwachen angemeldet werden.
Menschenrechte
(=> Lobbyarbeit)
Es lohnt sich, sich über die verschiedenen Menschenrechtskonventionen,
etwa auch über die Kinderrechtskonvention u.a. schlau zu machen.
Menschenrechtliche Begründungen und Argumentationen sind für die
Kirchenasylarbeit grundlegend.
www.institut-fuer-menschenrechte.de
www.forum-menschenrechte.de
Menschen ohne
Papiere
(=> „Illegalität“)
Mitwirkungspflicht
(=> Papiere/ Pass/ Passbeschaffung)
Musik
In der Kirchenasylarbeit sind Konzerte, Veranstaltungen und Feste mit
musikalischen Elementen oft wichtige Anlässe, um Geld für die Arbeit
einzunehmen. Dies kann gleichermaßen zum Gemeindeaufbau führen – in manchen
Gemeinden etabliert sich die Kulturarbeit auch über den Zeitraum eines
Kirchenasyls hinaus – wie zur Belebung der Kultur des Stadtteils beitragen. Musik
kann aber auch eine Inspiration und ein Mittel sein, kulturelle, traditionelle
und sprachliche Grenzen zu überwinden.
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N
Natur
Schutz in einem Kirchenasyl kann bedeuten, ein bestimmtes Gelände nicht
verlassen zu dürfen. Viele Flüchtlinge haben Erfahrungen mit Haft (sei es im
Heimatland oder durch Abschiebungshaft im Exilland). Das Gefühl, eingesperrt zu
sein, stellt zur Gesamtsituation eine zusätzliche Belastung dar. Gärten auf dem
Kirchengelände anzulegen oder sonstige Berührungspunkte zur Natur zu schaffen,
kann für Kirchenasylbewohnende eine gute Möglichkeit sein, um frische Luft zu
schnappen. In einem Fall wurde der Kirchenasylbewohner zum Schafhirte der
Gastgebenden und konnte dabei seine Erfahrungen aus Kurdistan einbringen.
Netzwerk
Vernetzung ist für die Kirchenasylarbeit wesentlich. Das betrifft die
Ebene der Ortsgemeinde und Region, wo im Verbund mit anderen Initiativen,
Beratungsstellen, Flüchtlingsrat usw. ein Fall vorangebracht werden kann. Aber
auch für die politische Lobbyarbeit und die Öffentlichkeitsarbeit in Kirche und
Gesellschaft ist die bundesweite und => internationale Zusammenarbeit in
Netzwerken entscheidend.
Vernetzung braucht Pflege und Informationsaustausch. Die Ökumenische BAG
führt deshalb seit ihrem Bestehen regelmäßig Tagungen und Workshops durch.
- s. Adressen und Links unter www.kirchenasyl.de
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O
Öffentliches
Kirchenasyl
(=> Öffentlichkeitsarbeit, => Stilles Kirchenasyl)
Das „öffentliche Kirchenasyl“ bezieht die mediale Begleitung ein,
während ein „stilles Kirchenasyl“ bewusst keine Medien informiert. In beiden
Fällen aber werden die zuständigen Behörden informiert.
Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit bei einem Kirchenasyl sollte in einer Hand
bleiben! Alles sollte in Absprache geschehen. Man kann in den
Gottesdienstabkündigungen auf die Familie/Person in Not verweisen und um
Spenden bitten, wobei man je nach dem Stand der Dinge dies nicht gleich als
Kirchenasyl charakterisieren muss. Man kann ein Kirchenasyl nach dem Beschluss
eines Kirchenvorstands in einer Gemeindeversammlung öffentlich machen.
Ob Gemeindebrief, Lokalzeitung, Film, Funk oder Fernsehen: man muss den
Informationswunsch abwägen gegenüber dem Schutz der Gäste, ihrer Anonymität,
der Schweigepflicht und den notwendigen Verhandlungen, die anstehen. Es gibt
Fachleute für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Kirchen, an die man sich
wenden und von denen man sich beraten lassen sollte.
Ökumene
Kirchenasylarbeit belebt häufig die Ökumene vor Ort. Es macht Sinn, im
konkreten Fall die Hilfe von Nachbargemeinden anderer Konfession zu erbitten
und Lasten miteinander zu teilen.
Hinsichtlich der Analyse von Fluchtgründen, der Bekämpfung von
Fluchtursachen und dem Einsatz für die Menschenrechte ist die
Kirchenasylbewegung mit den Themen der weltweiten Ökumene verbunden.
- Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK): www.oekumene-ack.de
- Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK): www.oikoumene.org
- => Charta Oecumenica: www.cec-kek.org/Deutsch/ChartafinG.htm
Ohnmacht
gilt es auszuhalten. Ohne Macht zu sein, heißt nicht, ohne Kraft zu
sein. Der Halt, den wir haben, haben wir durch den, der die Ohnmacht mit uns
teilt. Daraus erwächst eine Haltung, die manche Macht überwindet.
Opfer
Wir haben es im Kirchenasyl oft mit Opfern zu tun, deren Handlungsspielräume
eingeschränkt sind: Opfer von Folter oder Menschenhandel, Menschen, die auf
ihrer Flucht zu Opfern wurden. Wichtig ist, diese Menschen nicht erneut zu
Opfern zu machen, in dem man ihnen das Handeln abnimmt, sondern sie mit
Empowerment-Strategien zu einem selbst bestimmten Handeln zu ermutigen.
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P
Papiere/ Pass/
Passbeschaffung
Ohne Pass – kein Mensch – keine Rechte. Diese Formel gilt in vielen
ausländerrechtlichen Zusammenhängen. All dies ist ein mitleidsloses und enges
Verfahren.
Ist ein Mensch wirklich von seinem Staat verfolgt worden, aber in
Deutschland nicht als Verfolgter anerkannt, kann er im Grunde gar nicht seine
Botschaft betreten, da er die Angst vor Verfolgung dann ad absurdum führen würde.
Er würde ja seinen Herkunftsstaat ohne Gefahr aufsuchen, wenn er die Botschaft
beträte. Diese Doppelbödigkeit wird von vielen Behörden schlicht ignoriert und
es wird als „Verschleierung der Identität“ etc. ausgelegt, wenn Menschen schlicht
Angst haben, ihre Botschaften aufzusuchen. Zudem werden dann Menschen
regelmäßig gelockt, Pässe zu besorgen, um ihren Aufenthalt in Deutschland zu
verbessern – gleichzeitig ist eine Abschiebung im Moment des Vorlegens eines
Passes schnell möglich. Da kaum Vertrauen herrscht, ist dies ein Zirkel ohne
Ausweg.
Es besteht aber rein rechtlich eine Mitwirkungspflicht an der
Passbeschaffung. Und es braucht eine gute Begründung, wenn Pässe nicht besorgt
werden können. Eine Begleitung der Betroffenen zu Botschaften ist nötig, damit
man ggf. auch als Zeuge aussagen kann. All dies ist vorher mit Anwälten
abzustimmen.
Panik
In all der von Panik gezeichneten Situation einer heiklen
Kirchenasylphase gilt es einen ruhigen Kopf zu bewahren. Gerade wenn Menschen
bei uns zu Gast sind, die mit schweren Traumatisierungen zu kämpfen haben, kann
Panik den Allgemeinzustand erheblich verschlechtern. Oft hilft es, mit dem
Schlimmsten zu rechnen und einen Notfallplan aufzustellen: Vorsorge treffen,
Einsatzpläne machen, telefonische Erreichbarkeit gewährleisten.
Partizipation
Alle Entscheidungen müssen von den Menschen, die sie betreffen,
mitgetragen werden. Kirchenasylbewohner/innen sind nicht Objekte unseres
Handelns, sondern Gäste, denen gegenüber wir Respekt zeigen und die wir
einladen, am Alltag und an den Entscheidungen zu partizipieren.
Paternalismus
(=> Helfersyndrom)
Sich auf Augenhöhe zu begegnen und Entscheidungen den Gästen zu überlassen,
heißt dem Paternalismus zu begegnen und ihn einzudämmen, der sich allzu leicht
in der Kirchenasylarbeit breit macht. Überfürsorglichkeit ist oft Ausdruck
eines solchen paternalistischen, bevormundenden Verhaltens. Demgegenüber sind Autonomie
und Selbständigkeit bewusst zu fördern, Respekt und Toleranz ist notwendig. Rollen
sollten bewusst gemacht werden.
Petition
Das Einreichen einer Petition gehört zu den möglichen Handlungsformen im
Kirchenasyl. In manchen Bundesländern sind die Härtefallkommissionen zugleich
die Petitionsausschüsse. Es gibt Landtagspetitionen und Bundestagspetitionen.
Die Flüchtlingsräte informieren auf ihren Webseiten über die jeweiligen
Regelungen vor Ort.
Polizei
(=> Räumung)
Über kirchliche Kontakte, wie z.B. Polizeiseelsorger, kann der Dialog
mit der Polizei gesucht werden. Absprachen, ob auf innenministerieller oder Polizeiebene,
sollten getroffen werden.
In einigen Fällen waren Gemeindepastoren an interkulturellen Trainings für
Polizisten beteiligt.
Aber auch auf Gemeindeebene sollte das Verhalten bei Räumungsversuchen
geschult werden und z.B. Trainingsprogramme zum passiven Widerstand wie bei „Gewalt
überwinden“ angefragt werden.
Auch in Eskalationsphasen sollten gegenüber allen Beteiligten
Höflichkeit, Respekt und Toleranz herrschen.
Presse
(=> Öffentlichkeitsarbeit)
Prozess,
Prozessbeobachter
(=> Justiz, => Behörden)
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Q
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R
Räume
(=> Kirche, Kirchengelände, Kirchliche Räume)
Räumung
Für den schlimmsten Fall der polizeilichen Räumung eines Kirchenasyls
braucht es einen Notfallplan: Wer ist zu benachrichtigen (erste Ansprechperson,
ggf. Telefonkette)? Was ist zu tun? Es ist wichtig, im Vorfeld zu klären und
abzustimmen, wie bei einer Räumung zu verfahren ist. Man sollte sich immer den
Haft-, bzw. Durchsuchungsbefehl zeigen lassen. Auch passiver Widerstand ist Widerstand
gegen die Staatsgewalt und kann zu Anzeigen führen. All dies ist möglichst
vorher zu bedenken. Das Gespräch mit erfahrenen Kirchenasylunterstützer/innen
sowie mit dem Anwalt/der Anwältin kann hilfreich sein.
Rassismus und Rechtsextremismus
sind keine politische Meinung, sondern ein Verbrechen. Aufklärung tut
not!
Bewusstseinsprozesse in Kirche und Gesellschaft in Gang setzen,
Vorurteile aussprechen, aufdecken und entschärfen, gegen Übergriffe
einschreiten: all das gehört in eine engagierte Arbeit für und mit
Flüchtlinge(n), Migrant/innen und Menschen ohne Papiere mit hinein.
- Anti-Rassismus-Konvention (ICERD), s. www.institut-fuer-menschenrechte.de
- Gesicht zeigen, www.gesichtzeigen.de,
und viele andere Aktionen
- Noah Sow: Deutschland schwarz weiß. Der alltägliche Rassismus, München
2008.
- Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, Kontakt über
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, www.asf-ev.de
Respekt
Einander zuzuhören und auf Augenhöhe zu kommunizieren, kennzeichnen
einen respektvollen Umgang. Auf die Erfahrungen und die Biografie des anderen zu
hören, zeugt vom tiefen Interesse aneinander. Es beinhaltet die Bereitschaft,
voneinander zu lernen, Grenzen des anderen zu achten und sich fremd sein lassen
können. Achtung, Wertschätzung und Toleranz meinen nicht Beliebigkeit, sondern
verdeutlichen, dass man einen eigenen Standpunkt hat und vertreten kann.
Rückkehr,
Rückkehrprogramme
Wenn eine Rückkehr im Raum steht, heißt es genau zu prüfen, aus welchen
Motiven diese Frage geboren wird. Manchmal hilft das Durchdenken und Besprechen
einer Rückkehroption, die Ausweglosigkeit einer Situation anzugehen und zu beheben.
Eine freiwillige Rückkehr ist allemal besser als eine Räumung und Abschiebung.
Dennoch ist Vorsicht geboten, denn manchmal verbirgt sich in freundlichen
Angeboten auch eine mögliche Instrumentalisierung (der/die Rückkehrende
inszeniert quasi selbst, ohne es zu wollen, die eigene Abschiebung). Nicht wirklich
freiwillig, sondern erzwungen, aber anders etikettiert, ist Rückkehr ein weiterer
Schritt in eine Entwurzelung.
Bei tatsächlichen Rückkehrabsichten gilt es, die Vorbereitungen zu
unterstützen, den Vorgang zu begleiten und anschließend im Kontakt zu bleiben!
Rückkehrberatung und Informationen gibt es bei IOM (www.iom.org) und den Raphaelswerken.
Resettlement
Resettlement bedeutet die Neuansiedlung von Flüchtlingen in
einem sicheren Staat, nachdem sie bereits aus ihrem Herkunftsland fliehen
mussten und sich ohne Zukunftsperspektive in Lagern aufhalten, wo sie keine
Zukunftsperspektive entwickeln können. Vermittelt durch den UNHCR, nehmen viele
Länder weltweit jährlich ein Kontingent von Flüchtlingen in
Resettlement-Programmen auf. Deutschland ist kein klassischer
Resettlementstaat, hat sich aber 2009 an der Aufnahme irakischer Flüchtlinge
beteiligt. Im Rahmen der bundesweiten Save me-Kampagne schließen sich an vielen
Orten auch Kirchen und Gemeinden der Forderung nach Resettlement an und stellen
sich als Aufnahmeorte und Stätten der Gastfreundschaft zur Verfügung.
- UNHCR in Deutschland: www.unhcr.de
- Save me-Kampagne: www.save-me-kampagne.de.
- „Refugee Resettlement Newsletter“ und andere Materialien bei www.ccme.be
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S
Schulbesuch
(=> Kinder)
Spiritualität
Gibt es eine geistliche Mitte während eines Kirchenasyls? Wo findet sie
ihren Ausdruck und wer gestaltet sie mit? Gut ist es, in Regelmäßigkeit
Andachten oder Gebetszeiten einzuführen. Dabei ist zu beachten, dass auch Orte
und Zeiten für Menschen anderen Glaubens freigehalten werden (Gebetsteppich,
Kerzen, Räucherstäbchen, Zeiten absprechen…). Ein interkultureller Kalender
hilft, Festtage und Jahresrhythmen anderer Religionen im Blick zu haben.
Anregungen für Gottesdienstgestaltung, Bibelmeditationen, Gebete und
Andachten:
- Fanny Dethloff/Verena Mittermaier (Hg), „Zähle die Tage
meiner Flucht…“ Gottesdienstmaterialien zum Thema Flucht und Asyl, Karlsruhe
2008.
- www.interkulturellewoche.de
Stilles
Kirchenasyl
(=> Öffentliches Kirchenasyl)
Das „stille Kirchenasyl“ verzichtet bewusst auf die Informierung der
Medien und der Öffentlichkeit, im Gegensatz zum „öffentlichen Kirchenasyl“, das
die mediale Begleitung einbezieht. In beiden Fällen aber werden die zuständigen
Behörden informiert.
Stilles Kirchenasyl meint nicht ein Verstecken von Flüchtlingen.
Statistik/ Studien
(=> Dokumentation)
Für die Auswertung von Kirchenasylen braucht es belastbares Material:
Zahlen, Fakten (wie viele Menschen, aus welchem Land, wie lange im Kirchenasyl,
mit welchem rechtlichen Ausgang). Die Geschäftsstelle der Ökumenischen BAG Asyl
in der Kirche sammelt laufend diese Daten und wertet sie aus. Ergänzend zu den
jährlichen Kirchenasyl-Gesamtstatistiken (s. www.kirchenasyl.de) wurden bisher drei
ausführliche Studien veröffentlicht, in denen anhand von Gemeindeumfragen
Kirchenasylerfahrungen evaluiert werden:
- Just, Wolf-Dieter/Vogelskamp, Dirk: Zufluchtsort Kirche. Köln 1996.
- Just, Wolf-Dieter/Sträter, Beate: „Unter dem Schatten Deiner Flügel...“ Empirische
Untersuchung über den Erfolg und Mißerfolg von Kirchenasyl. Bonn 2001.
- Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche
(Hg): „Sonst wär' ich nicht mehr hier!“ Empirische
Untersuchung über Kirchenasyl und Gästewohnungen. Berlin 2008.
Symbol
Symbole können oft ohne viele Worte ein Gebet, eine Andacht, eine
Mahnwache unterstützen. Sie sagen etwas aus, ohne dass wir alles aussprechen
müssen.
Kerzen, Blumen, vor der Abschiebungshaftanstalt niedergelegt, drücken
aus, was wir empfinden.
Ein Engel in der Hand der jungen Frau hilft ihr vielleicht beim Reden
Der Stacheldraht auf dem Altar macht deutlich, wie grausam die Trennung
sein kann.
Ein Koffer, den alle packen sollen, die sich auf die Flucht begeben müssen,
erklärt besser, wie viel zurückbleibt, wenn man geht.
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T
Theologie
Die biblische Fundierung der Kirchenasylarbeit ist wesentlich. Gut ist
es, sich selbst immer wieder darin zu vergewissern und neben der praktischen
Arbeit die theoretische Aufarbeitung nicht zu vergessen. Woran erinnert mich
diese konkrete Situation? Manchmal fallen einem dann biblische Geschichten ein,
die in diesem Deutungshorizont neue Töne bekommen. Die Situationsbeschreibung
hier vor Ort trifft dann auf die manchmal ähnlichen Notsituationen, aus denen
heraus biblische Geschichten entstanden sind. Eine kontextuelle Bibelauslegung
ereignet sich. Systematische und ekklesiologische Fragen können sich
anschließen. Auch aus der Kirchengeschichte zu zitieren, hilft manchmal,
parallele Situationen auf die eigene Lage zu beziehen.
In aller Vorläufigkeit entsteht dann eine theologische Betrachtung.
Therapie
(=> Gesundheitsversorgung)
Eine laufende Therapie sollte, wenn sie denn nötig ist, während der Zeit
im Kirchenasyl nach Möglichkeit aufrechterhalten werden. Traumatisierung ist in
vielen Kirchenasylfällen ein zentrales Thema. Auch wenn therapeutische
Behandlung zusätzliche Kosten verursacht, sollten hierfür die Wege geebnet
werden.
Zur Definition von „Trauma“ vgl. das Kapitel „Seelsorge im Kirchenasyl“
in diesem Buch oder die gleichnamige Broschüre unter www.kirchenasyl.de.
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U
Überblick behalten
(=> Dokumentation)
Unbegleitete
Minderjährige Flüchtlinge
Die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge nimmt wieder zu. Ihre
Rückschiebungen nach der Dublin-II-Verordnung in andere europäische Länder
können im Einzelfall zu Kirchenasylgewährung führen. Es gibt einen Bundesfachverband,
der die pädagogischen und politischen Fragen im Blick hat: www.b-umf.de . An manchen Orten bestehen
Vormundschaftsvereine. Es ist oftmals besser, einen Privatvormund einzusetzen,
um die Rechte eines Kindes oder Jugendlichen zu sichern, als einem Amtsvormund
den Vortritt zu lassen.
Unterstützer/innenkreis
Zur Durchführung eines Kirchenasyls braucht es in der Regel einen Kreis
von engagierten Menschen, die die anfallenden Aufgaben je nach Fähigkeiten,
Kapazitäten und Interessen untereinander aufteilen. Eine Koordinatorin oder ein
Koordinator, die oder der nicht zugleich der Pastor, die Pastorin sein sollte,
lädt nach Möglichkeit zu regelmäßigen Informationstreffen ein. Hier wird
beraten und geplant, es werden Absprachen getroffen, Schwierigkeiten
bearbeitet, Kraft geschöpft. So kann das gemeinsame Tun zur echten
Unterstützung werden und einen Gemeindeaufbau statt eine Schwächung der
Gemeindearbeit während des Kirchenasyls bewirken.
Ultima Ratio
Aufnahme von Menschen in Not unter dem Schutz der Kirche, ist die Ultma
Ratio, das letzte, legitime Mittel einer Gemeinde, Flüchtlingen durch
zeitlich befristete Schutzgewährung beizustehen, um auf eine erneute,
sorgfältige Überprüfung ihres staatlich garantierten Schutzanspruches
hinzuwirken.
Es ist eine Gewissensentscheidung. Sie ist nicht Widerstand gegen den Staat,
sondern verhilft dem demokratischen Staat immer wieder zu seinem menschlichen
Antlitz.
s. Leitgedanken des Kirchenasyls, Erstinformation Kirchenasyl, www.kirchenasyl.de
Unglaubwürdigkeit
(=> Beweise, => Glaubwürdigkeit)
Das Unglaubwürdigmachen ist ein Prinzip in vielen Asylverfahren. Hier
antworten wir, indem wir (nach genauer Prüfung der Fluchtgeschichten) die
Glaubwürdigkeit der Schutzsuchenden bezeugen. Dies ist eine Art Heilungsprozess
und nicht allein mit politischen, taktischen Erwägungen zu begründen.
Übergriff
Übergriffe aller Art gehören in den Mittelpunkt gestellt und bearbeitet.
Nur so werden die Lernprozesse gespeist. Sowohl das Gefälle zwischen Helfenden
und Hilfsbedürftigen (=> Paternalismus) muss immer wieder als Übergriff
gekennzeichnet werden und diskutiert werden, wie der drohende staatliche
Übergriff, die => Räumung. Aber auch drohenden Übergriffen durch örtliche rechtsextreme
Kräfte muss begegnet werden (=> Rassismus und Rechtsextremismus).
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V
Verfolgung
(=> Flucht, Fluchtgründe, Flüchtlinge)
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W
Wasser und Wein
(=> Essen und Trinken)
Zeiten unterscheiden: Manchmal ist es Zeit, Wasser zu trinken, und
manchmal Wein. Das Neue Testament erzählt von der Hochzeit zu Kana und es
erzählt vom Abendmahl – hier werden unterschiedliche Situationen der Freude und
des Abschieds beschrieben. Auch zum Kirchenasyl, besonders natürlich zu einem
guten Ausgang, gehören Feste und Feiern zentral dazu! Interreligiös ist bei
Festen darauf zu achten und respektvoll zu erwähnen, dass manche Religionen
Alkoholgenuss verbieten.
Widerstand,
Widerständigkeit
Kirchenasyl bedeutet nicht Widerstand gegen die Demokratie, sondern
Widerstand oder widerständiges Handeln innerhalb der Demokratie. Eine
widerständige Haltung beinhaltet, nicht alles zu schlucken und zu befolgen und
nicht vorschnell klein beizugeben. Das kann sich im konkreten Einsatz für
Menschenrechte äußern, aber auch in der Form der Gottesdienstgestaltung, im
gemeinschaftlichen und nachbarschaftlichen Leben, im politischen Engagement…
Vgl. Jahrestagung der BAG Asyl in der Kirche 2006 „Glaubwürdig leben –
widerständig handeln“, Dokumentation der Tagung unter www.kirchenasyl.de
Widerruf, Widerrufsverfahren
Mittels Widerrufsverfahren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge
(BAMF) wird Menschen die Asyl- und Flüchtlingsanerkennung, die ihnen
bereits zugesprochen wurde, wieder entzogen, oftmals verbunden mit dem Wegfall
des Aufenthaltstitels. Durch diese unmenschliche und europaweit umstrittene
Praxis werden Menschen, die sich hier sicher fühlten, wieder in die
Unsicherheit und den ungesicherten Aufenthalt gestoßen. Seit 2008 stieg die
Zahl der Widerrufe jährlich. Besonders betroffen sind Flüchtlinge aus dem Irak,
der Türkei, Afghanistan, dem Iran und der Russischen Föderation.
www.bamf.de
www.proasyl.de
Wut/Zorn
Wut und Zorn begleiten oft die Situation im Kirchenasyl. Diese Gefühle sind
erlaubt! Die Bibel erzählt viele Geschichten vom Zorn: Vom zornigen Gott, von
zornigen Menschen und davon, wie Menschen mit ihrem Zorn umgehen. Wut und Zorn
sollte man nicht unterdrücken, sondern als Quelle einsetzen. Es macht Sinn, Orte
der Wut zu schaffen, wo schreien erlaubt ist, wo man seine Wut heraus schreien
kann oder auch schreiben kann (Wutbriefe), oder wo man sie auch ausagieren darf
(Holz hacken).
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XYZ
Zeugen,
Zeugenschaft
„Ihr werdet meine Zeugen sein“, heißt es in der Apostelgeschichte 1,8.
Kirchenasylarbeit, Flüchtlingssolidarität und Seelsorge in der Abschiebehaft
bedeutet, in biblischer und zugleich menschenrechtlicher Hinsicht Zeuge/Zeugin
zu sein. Das Wahrnehmen der Situation, in der Menschen leben, das Hören ihrer
Geschichten, das Beobachten von Unrecht, das ihnen widerfährt, ruft zur
Zeugenschaft auf. Dies ist ein altes, biblisch verankertes Amt.
S. Tagungsdokumentation „Kirche/Seelsorge und Abschiebungshaft“ 2008
unter www.kirchenasyl.de.
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